[MSN] Nach Weimarer Bibliotheksbrand: Buchrestaurierung beginnt.
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Sat Jul 22 01:08:20 CEST 2006
21.07.2006 15:36:12
Nach Weimarer Bibliotheksbrand: Buchrestaurierung beginnt
In der Restaurierungswerkstatt der Klassik Stiftung in Weimar arbeitet
Katharina Weiler an einer vom Feuer geschädigten Leichenpredigt.
Photo:
http://www.zeit.de/dpa/generatedSite/iptc-bdt-20060721-217-dpa_12247810.xml
Weimar (dpa) - Zwei Jahre nach dem verheerenden Großbrand in der Herzogin
Anna Amalia Bibliothek in Weimar wird jetzt die Restaurierung beschädigter
Bücher in Angriff genommen.
Noch in diesem Jahr sollen die ersten Aufträge ausgeschrieben werden. Für
Restauratoren beginnt damit ein schwieriges Unterfangen. Mindestens zehn
Jahre nehme die Restaurierung der wertvollen historischen Bände in Anspruch,
schätzt Bibliotheksdirektor Michael Knoche. Rund 20 Millionen Euro werden
dafür veranschlagt.
Die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Bibliothek hatte bei dem Brand
Anfang September 2004 rund 50 000 Bücher verloren. Weitere 62 000 Bände
wurden zum Teil schwer beschädigt. «Die Brandschäden zu beheben wird Aufgabe
einer ganzen Generation sein», ist Knoche überzeugt. Dennoch ist er
angesichts des Ausmaßes der Katastrophe über die bisher geleistete Arbeit
erstaunt: «Ich hätte nicht geglaubt, dass wir schon ein so großes Stück
voran gekommen sind.»
Der 11,4 Millionen teure Wiederaufbau des historischen Bibliotheksgebäudes
schreitet planmäßig voran. Für die Bausanierung wurden bislang Aufträge in
Höhe von acht Millionen Euro ausgelöst. Der aus dem 16. Jahrhundert
stammende Bau soll im Oktober 2007 - im 200. Todesjahr der Herzogin -
wiedereröffnet werden. Im Rokokosaal, der vor dem Feuer mit seinen
Büchergalerien und zahlreichen Kunstwerken zu den schönsten
Bibliotheksräumen in Mitteleuropa zählte, sind derzeit die Holzrestauratoren
am Werk.
Inzwischen wurden auch erste Lücken im Bestand wieder mit kostbaren Schätzen
geschlossen. Durch Schenkungen und Ankäufe konnten knapp 5000 der
verbrannten Titel bereits ersetzt werden, davon sind rund 1400
bibliographisch identische Exemplare. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa
70 Prozent der verlorenen Bücher wiederbeschafft werden können. Allerdings
ist dafür mindestens mit drei Jahrzehnten und Kosten in Höhe von etwa 47
Millionen Euro zu rechnen.
Von den 62 000 in der Brandnacht geretteten Bänden können Untersuchungen
zufolge etwa 60 Prozent wieder in den Bestand integriert werden. Etwa 29 000
Bände wurden durch das Feuer so stark verkohlt, dass sie nur in
Ausnahmefällen restaurierbar sind. Rund 11 000 nur leicht beschädigte Bücher
sind mittlerweile wieder nutzbar. Für 22 000 Bände aus dem 16. bis zum 20.
Jahrhundert wird an einem Restaurierungskonzept gearbeitet.
Für die vor allem durch Wasser, aber auch Hitze und Rauch geschädigten
Bücher gebe es kein Routineverfahren, schildert Jürgen Weber,
Abteilungsleiter Bestandserhaltung. Die Bücher seien von Pappe, über Leder,
Textilien und Pergament mit unterschiedlichen Materialien eingebunden.
Derzeit erstellen daher die Weimarer Restauratoren Musterbände für die
Wiederherstellung, mit denen Ziele und Methoden der Buchrestaurierung
vorgegeben werden.
Zugleich laufen zwei Forschungsprojekte in Köln und Leipzig, deren
Ergebnisse im Herbst vorliegen sollen. Sie untersuchen zum einen die
Auswirkungen des Löschwassers auf das Papier und zum anderen dessen
Reißfestigkeit.
http://www.zeit.de/
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