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Mon May 1 15:48:05 CEST 2006
Geraubte Munch-Bilder bleiben verschollen
01.05.2006
Von Thomas Borchert, dpa
Oslo (dpa) - Fast zwei Jahre nach dem Raub der weltberühmten Bilder «Der
Schrei» und «Madonna» von Edvard Munch soll am Dienstag in Oslo das Urteil
gegen die sechs mutmaßlichen Diebe verkündet werden.
Ob Freispruch oder, entsprechend der Forderung des Staatsanwalts, acht bis
elf Jahre Haft: Auch der vierwöchige Prozess vor dem Strafgericht in
Norwegens Hauptstadt hat die unersetzlichen Kunstwerke nicht zurückgebracht.
Die Hauptwerke des Expressionisten Munch (1863-1944) sind nach wie vor
verschollen und möglicherweise von den Räubern oder ihren Hintermännern für
immer zerstört.
Am 22. August 2004 waren zwei maskierte und bewaffnete Männer am helllichten
Tag in das schlecht gesicherte Munch-Museum gestürmt und hatten vor den
Augen entsetzter Besucher das 1893 entstandene Gemälde «Der Schrei» und die
ein Jahr später gemalte «Madonna» von der Wand gerissen. Die Täter konnten
in einem mit Fahrer wartenden Audi flüchten.
«Der Schrei», von dem Munch vier Versionen gemalt hat, ist auf der ganzen
Welt als Bild so berühmt wie vielleicht sonst nur Leonardo da Vincis
(1452-15519) «Mona Lisa» oder die «Sonnenblumen» des Niederländers Vincent
van Gogh (1853-1890). Dass die Räuber ausgerechnet dieses total
unverkäufliche Bild und die kaum minder berühmte sowie in fünf Versionen
existierende «Madonna» mit roher Gewalt an sich rissen, brachte die Polizei
auf eine für Kunstfreunde wenig hoffnungsvoll klingende Spur: Die Fahnder
sind überzeugt, dass die sechs als Täter und Mithelfer angeklagten Männer
aus der norwegischen Kriminellen-Szene in Wirklichkeit nur einem Drahtzieher
namens David Toska (30) bei der Verschleierung eines ganz anderen
Verbrechens helfen sollten.
Toska hatte viereinhalb Monate vor dem Munch-Coup mit einer großen Gruppe
schwer bewaffneter Männer in kugelsicheren Westen wie in einem Gangsterfilm
eine Geldzentrale in Stavanger überfallen. Auf der Flucht erschossen die
Gangster einen Polizisten, nachdem sie 56 Millionen Kronen (7,2 Millionen
Euro) erbeutet hatten. Die spektakuläre Aktion im Munch-Museum mit Tätern
aus Toskas Umfeld, so die Hypothese von Fahndern, sollte vor allem
Polizeikräfte binden und so die Suche nach den Geldräubern behindern.
Trotzdem wurde Toska zusammen mit zwölf weiteren Angeklagten im März zu 19
Jahren Haft verurteilt. Der Hauptangeklagte bei diesem Prozess bestritt
stets jede Verbindung zum Munch-Raub. Die Hoffnung von Polizei und
Öffentlichkeit nach der Verurteilung des Gangster-Bosses, dass einer der
sechs für den Kunstraub Angeklagten nun «singen» und den entscheidenden Tipp
über den Verbleib der Bilder geben würde, blieb unerfüllt.
Staatsanwalt Terje Nybøe sagte zum Raub aus dem inzwischen festungsartig
gesicherten Munch-Museum in seinem Schlussplädoyer: «Dies war ein Angriff
auf Norwegens Kultur und Geschichte». 750 Millionen Kronen (knapp 100
Millionen Euro) will die Stadt Oslo von fünf der sechs Angeklagten im Fall
ihrer Verurteilung verlangen.
http://www.intrinet.de/
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