[MSN] "Rückgabe soll nicht scheitern". Beutekunst in Stuttgart.
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Tue Aug 7 07:29:15 CEST 2007
Freitag, 3. August 2007
"Rückgabe soll nicht scheitern"
Beutekunst in Stuttgart
In der Staatsgalerie Stuttgart befindet sich ein von den Nationalsozialisten
in Polen geraubtes Kunstwerk. Es handele sich bei dem Gemälde von Francesco
Guardi (1712-1793) um sogenannte Beutekunst aus Polen, sagte der Sprecher
des baden-württembergischen Kunstministeriums, Jochen Laun, in Stuttgart. Er
bestätigte damit Medienberichte. Das Bild stamme ursprünglich aus dem
Warschauer Nationalmuseum. Dort sei es von den Nazis entwendet worden. Nach
Launs Worten ist das Guardi-Gemälde das wohl einzige Beute-Kunstwerk im
Südwesten.
"Eine Rückgabe soll an uns nicht scheitern", sagte Laun. Allerdings müsse
diese in die Beutekunst-Verhandlungen einbezogen werden, die der Bund mit
Polen zu führen habe. Zuletzt hatten Experten darüber diskutiert, ob es noch
polnische Beutekunst in öffentlichen deutschen Sammlungen gibt. Die
polnische Kunsthistorikerin Nawojka Cieslinska-Lobkowicz hatte gegenüber dem
"Spiegel" das Guardi-Gemälde als Beispiel dafür angeführt, dass es entgegen
deutscher Äußerungen sehr wohl polnische Raubkunst in öffentlichen deutschen
Sammlungen gibt.
Das Bild sei nach dem Krieg in der Universitätsbibliothek Heidelberg
aufgetaucht, ein Eigentümer konnte damals jedoch nicht ermittelt werden,
erläuterte Laun. Später sei es an das Kurpfalzmuseum Heidelberg ausgeliehen
gewesen. Erst seit 1998 sei klar, dass es sich bei dem Bild, das eine
Ansicht aus Venedig zeigt, um Beutekunst handele. Im Jahr 2000 habe das
Ministerium das Werk zur Aufbewahrung an die Staatsgalerie Stuttgart
gegeben. Dort ist es nicht ausgestellt, sondern lagert im Archiv, wie das
Museum mitteilte.
180.000 Werke aus Berlins Museen "Beutekunst"
Nach Schätzungen der Staatlichen Museen zu Berlin lagern in Russland und
Polen als so genannte Beutekunst noch rund 180.000 Werke aus Berliner
Sammlungen. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz,
Klaus-Dieter Lehmann, appellierte in diesem Zusammenhang an die russische
Regierung, die Geheimdepots zu öffnen, in denen unter anderem Werke aus der
Berliner Skulpturensammlung vermutet werden. Besorgniserregend sei eine
gerade vom russischen Kulturministerium erlassene Anweisung an die Museen
Russlands, so Lehmann. Danach sollen die Werke aus den Depots in neue,
russische Inventarlisten überführt werden, so dass die Herkunft der Gemälde,
Skulpturen, Bücher und Münzen in Zukunft nicht mehr nachvollziehbar sei.
Die russische Staatsduma - eine der beiden Kammern des russischen Parlaments
- hatte die Beutekunst 1999 per Gesetz zum Eigentum Russlands erklärt.
Deutsche Kunstexperten und Juristen berufen sich bei ihren
Rückgabeforderungen vor allem auf das 1907 mit der Haager Landkriegsordnung
beschlossene Verbot von Kunstraub.
Bundesregierung kritisiert Moskaus Zögern
Auch die Bundesregierung hat an Russland appelliert, die Zusagen über die
Rückgabe sogenannter Beutekunst einzuhalten. Es dränge sich ein bisschen der
Eindruck auf, dass Moskau die zwischen 1990 und 1992 vereinbarte Rückgabe
"nicht im gewünschten Umfang einhält", sagte Vize-Regierungssprecher Thomas
Steg in Berlin. Die Bundesregierung bemühe sich - auch in enger Kooperation
mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz - weiter um die Rückgabe von
Beutekunst aus Russland und Polen.
Gespräche mit Polen abgerissen
Bei den in Polen verbliebenen Kunstwerken handelt es sich nach Angaben von
Lehmann um im Zweiten Weltkrieg in die damaligen Ostgebiete ausgelagerte
Objekte. Die Gespräche mit Polen über die Kulturgutverluste seien völlig
abgerissen, sagte der Präsident der Preußen-Stiftung. Allein das
Ethnologische Museum Berlin vermisse noch immer 50.000 Objekte, sagte der
Vize-Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen, Günther Schauerte. Dem
Kunstgewerbemuseum fehlen 30.000 Werke und dem Kupferstichkabinett 35.000.
Permosers "Herkules und Omphale" wieder in Berlin
Eine in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verschwundene Elfenbeingruppe des
Barock-Bildhauers Balthasar Permoser (1651-1732) hat die Preußen-Stiftung
gerade zurück erhalten. Ein US-Bürger habe das bedeutende Werk "Herkules und
Omphale" (um 1700) dem New Yorker Auktionshaus Sotheby's zum Verkauf
angeboten, sagte Lothar Lambacher vom Berliner Kunstgewerbemuseum, in dem
die Skulptur bis vor dem Krieg ausgestellt wurde. Das Auktionshaus habe sich
daraufhin mit dem Berliner Museum in Verbindung gesetzt.
Der amerikanische Privatmann habe sich bereit erklärt, das Werk gegen einen
in solchen Fällen üblichen "Finderlohn" zurückzugeben. Der Mann habe 10
Prozent des auf rund 150.000 Dollar (rund 110.000 Euro) geschätzten
Marktwertes der Skulptur erhalten, sagte Lambacher. Nach eigener Auskunft
hatte der US-Amerikaner das Kunstwerk bei einem kleinen Auktionshaus in
Kalifornien erworben.
Die Elfenbeingruppe war nach Museumsangaben 1943 zusammen mit anderen
Kunstwerken zum Schutz vor den alliierten Bombenangriffen auf Berlin
zunächst in das Schloss Oegeln bei Beeskow (Brandenburg) ausgelagert worden.
Auf Befehl von Hitler sollten die Objekte im März 1945 weiter nach Schloss
Arolsen in Hessen transportiert werden. Im April 1945 stellten US-Truppen
dann bei Melsungen (Hessen) zwei teilweise bereits ausgeraubte
Eisenbahnwaggons mit verlagerten Kunstwerken aus Berliner Museen sicher. Es
sei unklar, ob ein deutscher oder ein US-Soldat das Permoser-Werk gestohlen
habe, sagte Lambacher. Weitere Hinweise darauf, wo es sich in den
Jahrzehnten danach befunden hat, gibt es nicht.
Die wieder aufgefundene Skulptur "Herkules und Omphale" ist nun wieder im
Berliner Kunstgewerbemuseum zu sehen. So genannter "Privatraub" mache nur
einen sehr kleinen Teil der Kriegsverluste aus, sagte Schauerte. Etwa 80
Prozent der verschwundenen Werke seien als Beutekunst in andere Länder
gebracht, der Rest zum größten Teil zerstört worden.
Adresse:
http://www.n-tv.de/835250.html
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