[MSN] Forgeries Chinese terra cotta. Tonkrieger-Schau macht dicht! Direktor Köpke zieht Konsequenz aus Skandal um die gefälschten Figuren
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Thu Dec 20 10:33:08 CET 2007
Tonkrieger-Schau macht dicht!
Direktor Köpke zieht Konsequenz aus Skandal um die gefälschten Figuren
UTE GEBAUER, CAROLA GROSSE-WILDE
Scheibchenweise kam der Skandal ans Licht, jetzt steht zweifelsfrei fest:
Bei den angeblich 2000 Jahre alten chinesischen Terrakotta-Kriegern im
Museum für Völkerkunde handelt es sich lediglich um billige Kopien, die es
in China an jeder Ecke für ein paar Euro gibt. Als Konsequenz will
Museumsdirektor Wulf Köpke die Ausstellung sofort schließen.
Bereits am Montag sagte ein Sprecher des Kulturamtes in Peking: "Wir haben
gegenwärtig keine Ausstellung mit Terrakotta-Soldaten in Deutschland." Einen
Tag später musste die Leipziger Firma Center of Chinese Arts and Culture
(CCAC), die die Ausstellung organisiert hat, zugeben, dass es sich um Kopien
handelt. "Wir haben niemals den Begriff Originale benutzt", sagte der
CCAC-Sprecher Yolna Grimm und bekräftigte damit seine Angaben in den
ARD-"Tagesthemen" vom Dienstag. In dem Vertrag, den seine Firma mit dem
Völkerkundemuseum abgeschlossen habe, stehe, dass es sich um "authentische
Scherbenfiguren aus Originalmaterial" handelt. Mit Originalmaterial sei Ton
gemeint. "Das sind keine Originale. Authentisch heißt für uns
Scherbenfiguren, lebensgroß, vergleichbar mit den Originalen."
"Wir haben einen Anwalt eingeschaltet und prüfen jetzt, was für Schritte
möglich sind. Und wir haben der Firma CCAC gekündigt, mit solchen Partnern
wollen wir nichts zu tun haben", sagte Köpke der MOPO. In dem Vertrag, den
das Museum mit der CCAC abgeschlossen habe, stehe eindeutig, dass es sich um
Originale handelt. "Ich habe im Wörterbuch nachgeschlagen: echt, authentisch
und original sind identische Wörter." Auf die Frage, warum das Museum sich
nicht selbst mit den Chinesen in Verbindung gesetzt habe, sagte Köpke: "Das
ist nicht so einfach. Deshalb macht man ja so ein Paket, damit man nicht so
viel Arbeit hat." Er hoffe jedoch, dass die Besucher "das verzeihen können.
Wir sind selber Opfer geworden".
Zu den Rücktrittsforderungen, sagte Köpke: "Die sehe ich gelassen." Wichtig
sei nur: "Wir haben nicht gelogen." "Aus Sicht der Kulturbehörde ist Wulf
Köpke nichts vorzuwerfen", sagte deren Sprecher Björn Marzahn. Er habe die
richtigen Maßnahmen getroffen und die Behörde regelmäßig über den Stand der
Dinge informiert. "Die Personalfrage hat sich zu keinem Zeitpunkt gestellt
und stellt sich auch nicht", so Marzahn weiter. Im Völkerkundemuseum will
man jetzt vor allem nach vorne blicken. "Wir ziehen unter diese Sache einen
Schlussstrich und eröffnen am Freitag eine tolle Argentinien-Ausstellung."
Info:
Immer wieder Fälschungen in Museen
Das Stockholmer Moderna Museet geht im November Warhol-Kopien auf den Leim,
stellt unwissentlich sechs Fälschungen der bekannten "Brillo Boxes" des
Pop-Art-Künstlers Andy Warhol aus. Insgesamt sollen ein Großteil der mehr
als 100 bedruckten Schachteln vom "Typ Stockholm" auf dem internationalen
Kunstmarkt Fälschungen sein.
Im Herzog Anton Ulrich-Museum in Braunschweig stellen sich im Mai 2007
römische Münzen zum Teil als Imitate heraus.
Wegen Fälschungsverdachts beschlagnahmt die finnische Polizei 2004 in
Helsinki mehrere Bilder von Salvador Dalí. Zwei Monate später der Beweis
Alle 450 Gemälde in dem Ausstellungszentrum Wanha Satama sind gefälscht.
In der Hamburger Kunsthalle stehlen Diebe im Mai 2002 eine Bronzeskulptur
des Künstlers Alberto Giacometti und ersetzen sie durch eine plumpe
Fälschung. Der Diebstahl wird erst drei Tage später von einer Mitarbeiterin
des Museums bemerkt. Die Skulptur war während einer Veranstaltung mit 16000
Besuchern verschwunden.
1998 werden im Essener Museum Folkwang 150 Aquarelle des russischen
Expressionisten Alexej von Jawlenskyals als Fälschungen enttarnt. Sie waren
1992 unter mysteriösen Umständen aufgetaucht.
(MOPO vom 13.12.2007 / SEITE 26-27)
http://www.mopo.de/
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