[MSN] Insider theft in German university library: Uni verklagt Professor auf 272.000 Euro
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Sun Feb 4 10:28:47 CET 2007
Uni verklagt Professor auf 272.000 Euro
Weil er wertvolle alte Bücher klaute, versteigerte und die Polizei mit
falschen Quittungen foppte, kassierte ein Literaturprofessor bereits eine
Bewährungsstrafe. Jetzt verlangt die Bonner Uni-Bibliothek über eine
Viertelmillion Schadenersatz von dem Germanisten.
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Bonn - Die Rechnung ist hoch: 272.000 Euro soll der 51-jährige
Wissenschaftler an die Bibliothek der Universität Bonn zahlen. Ein Sprecher
des Bonner-Landgerichts bestätigte die Schadensersatz-Forderung am Freitag.
Es geht um 105 wertvolle Werke, die bis zum Jahr 2003 aus den
Bibliotheksregalen verschwanden. Dem Germanistikprofessor wird vorgeworfen,
die Bücher aus dem 16. bis 18. Jahrhundert gestohlen, an den
Eigentumsnachweisen manipuliert und die Antiquitäten zum größten Teil in
einem Auktionshaus versteigert zu haben.
Der Professor, der in Bonn habilitierte und in Rostock lehrt, war 25 Jahre
lang Nutzer der Bonner Bibliothek und zeitweise wissenschaftlicher
Mitarbeiter. Der Fall ist skurril und beschäftigte bereits zwei Bonner
Gerichte. Im ersten Prozess hatte der Germanist lange geleugnet und erst
kurz vor Prozessende gestanden. Im zweiten Verfahren vor dem Landgericht
schwieg er indes und wurde vor zwei Wochen dennoch zu einer Bewährungsstrafe
von eineinhalb Jahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung verurteilt.
Wenn das Urteil rechtskräftig wird, würde es ihn Professur und Beamtenstatus
kosten. Die Verteidigung ging jedoch in Berufung. Den Prozessen ging ein
jahrelanges Verwirrspiel voraus: Den Erkenntnissen von Polizei und
Staatsanwaltschaft zufolge hatte der Professor die Bücher zunächst regulär
ausgeliehen, anstelle der Originale aber alte Bücher vom Flohmarkt als
Platzhalter zurückgebracht. Der Verdacht fiel auf ihn, als Bibliothekare die
"Placebos" entdeckten und der Wissenschaftler im Oktober 2002 wiederholt
Bücher bei einem Auktionshaus im hessischen Königstein versteigern lassen
wollte.
Die "Kölnische Rundschau" berichtete damals, der Akademiker habe die Polizei
sogar mit gefälschten Kaufbelegen getäuscht, als Beamte bei einer
Hausdurchsuchung unter anderem eine Originalausgabe von Immanuel Kant aus
dem Jahre 1775 bei ihm fanden. In der Verhandlung Anfang Januar wurden
zahlreiche Gutachten vorgelegt. Experten des Bundeskriminalamtes war es
gelungen, manipulierte Stempel in den Büchern wieder sichtbar zu machen.
Im Strafrechts-Prozess ging es lediglich um acht der vermissten Bücher, aber
die Liste der Bibliothek ist erheblich länger. Zum Teil wurde das Fehlen der
antiquarischen Schätze erst nach vielen Jahren entdeckt. Nun geht die
Bibliothek den zivilrechtlichen Weg und will den Schaden von über einer
Viertelmillion Euro ersetzt bekommen.
jol/dpa
http://www.spiegel.de/
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