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Fri Feb 9 11:28:37 CET 2007
Tagesspiegel | 08.02.2007 16:28
Gemälde-Diebstahl: Kunstkrimi in Hessen
Nach dem spektakulären Raub eines wertvollen Gemäldes vor einem dreiviertel
Jahr im Schloss Fasanerie bei Fulda ist das Kunstwerk wieder aufgetaucht -
auf ebenso spektakuläre Weise.
Kronberg/Fulda - Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Fulda wurde das 70.000
Euro teure Gemälde "Ansicht von Schloß Weißenstein" von Johann Heinrich
Tischbein dem Älteren bei der Festnahme eines Polizisten sichergestellt. Das
Bild sei leicht beschädigt. Gegen den festgenommenen hessischen
Polizeibeamten werde jetzt wegen Verdachts der Hehlerei sowie Erpressung
ermittelt.
Laut Staatsanwaltschaft hatte sich der 58 Jahre alte Beamte im Dezember
telefonisch bei der Versicherung gemeldet, die mit der Abwicklung des
Diebstahlschadens betraut ist. Er gab vor, das geraubte Gemälde gegen
Zahlung von Geld zurückgeben zu können. In den Verhandlungen mit ihm wurde
schließlich ein Betrag von 7500 Euro vereinbart. Die Übergabe sollte am
vergangenen Mittwoch erfolgen.
Der zuständigen Versicherungsmitarbeiterin soll der 58-Jährige am Telefon
sogar seinen Namen und Beruf genannt haben. "Das ist eigentlich nicht zu
begreifen", kommentierte der Sprecher der Fuldaer Staatsanwaltschaft, Harry
Wilke. Von der Versicherung habe der Polizist verlangt, seine Kollegen aus
dem Fall heraus zu halten. Die zuständige Mitarbeiterin habe sich jedoch
nicht daran gehalten.
Gemälde bei Festnahme sichergestellt
Bei der geplanten Übergabe am Mittwochvormittag griffen die verständigten
Ermittler zu. Sie nahmen den 58-Jährigen an seinem Wohnort in Kronberg im
Taunus fest und stellten das Gemälde sicher. Es sollte noch heute dem Museum
in Schloss Fasanerie zurückgegeben werden.
Im Verhör hat der 58-Jährige bereits umfassend ausgesagt. Zu seinem
möglichen Motiv und weiteren Hintergründen der Tat wurde jedoch bislang
nichts bekannt. Auch zum Dienstgrad und Dienstsitz des Beamten wollte sich
die Staatsanwaltschaft nicht äußern. Es werde noch geprüft, ob der Polizist
an dem Einbruch in das Schloss beteiligt war, hieß es.
Gezielter Diebstahl des Tischbein-Gemäldes?
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Das Tischbein-Gemälde war in der Nacht zum 25. Mai 2006 gestohlen worden.
Der oder die Täter waren mit einer Leiter in den ersten Stock des Schlosses
eingedrungen. Als sie eine Alarmanlage auslösten, ergriffen die Einbrecher
die Flucht, lösten zuvor jedoch das 1,80 mal 1,10 Meter große
Tischbein-Gemälde aus dem Rahmen und nahmen es mit.
Das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Gemälde zeigt den
Vorgängerbau des Kasseler Schlosses Wilhelmshöhe. Das Bild befand sich seit
Eröffnung des Fasanerie-Museums 1951 in dessen Besitz. Ob die Täter es
gezielt auf das Bild abgesehen hatten, oder ob sie nach Auslösen des Alarms
das nächst greifbare Gemälde nahmen, blieb unklar. Die Familienstiftung der
Landgrafen von Hessen setzte für die Wiederbeschaffung eine Belohnung von
5000 Euro aus. (Von Guido Heisner, ddp)
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