[MSN] Kunstschmuggler plündern Afrika. Frankreich ist eine Drehscheibe für Schmuggelkunst: Allein 2005 wurden 21 332 Kunstobjekte im Millionen- Wert an der Grenze zu Deutschland, der Schweiz, Italien, Spanien und Belgien konfisziert.

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Thu Jan 4 16:01:36 CET 2007


Kunstschmuggler plündern Afrika

Frankreich ist eine Drehscheibe für Schmuggelkunst: Allein 2005 wurden 21
332 Kunstobjekte im Millionen- Wert an der Grenze zu Deutschland, der
Schweiz, Italien, Spanien und Belgien konfisziert. Besonders oft wurden die
Zollfahnder an der Schweizer Grenze fündig.

Seit 2001 nimmt die Anzahl der beschlagnahmten Schätze ständig zu - vor
allem von Fundstücken aus Schwarzafrika. «Während zwischen 1995 und 1996 vor
allem Ikonen sehr gefragt waren, gilt das Interesse in den letzten Jahren
der afrikanischen Stammeskunst», sagte ein Verantwortlicher des
französischen Zolls. 

Der Pariser Kunstmarkt für afrikanische Kunst gilt als der dynamischste
weltweit. Die Metropole an der Seine zählt über 100 Antiquitäten- und
Kunsthändler. 

Mali wird am meisten geplündert 

Viele der beschlagnahmten Kunstwerke stammen aus Mali. So entdeckten Zöllner
bei einer Kontrolle auf dem Flughafen der südfranzösischen Stadt Montpellier
am 8. November 2005 mehr als 900 Statuetten, Ohrhänger und Bronzereifen. 

Knapp einen Monat später wurde ein marokkanischer Händler festgenommen, der
in seinem Lieferwagen rund 18 000 geraubte Objekte transportierte, darunter
Schmuck und Töpferware aus dem Jahr 1500 nach Christus - mehr als die Hälfte
aus Mali. 

Mali gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas. Die heimlichen Grabungen haben
die archäologischen Fundstätten des Landes stark in Mitleidenschaft gezogen.
Schon vor mehr als 15 Jahren stellten holländische Wissenschaftler fest,
dass in Mali 45 Prozent der erfassten 834 Fundstätten geplündert waren. 

Einfalltor Schweizer Grenze 

«Die meisten Beschlagnahmungen fanden bei Einfuhrkontrollen an der Schweizer
Grenze statt oder bei Verkehrskontrollen im Süden und Osten Frankreichs. Die
meisten Fahrzeuge kamen aus nicht- europäischen Ländern», erklärte der
Zollbeamte weiter. 

Seit dem Beginn des Irak-Konflikts achtet der französische Zoll auch
besonders auf geraubte Kulturgüter aus dem Irak. Länder im Kriegszustand
sind besonders gute Kunstlieferanten: So wurde das Museum der afghanischen
Hauptstadt in Kabul mehrfach geplündert ebenso wie das Institut der
Nationalmuseen Zaires beim Sturz Mobutus. Doch Stücke aus dem Irak scheinen
dem französischen Zoll 2005 nicht ins Netz gegangen zu sein. 

«Seit der verstärkten Mobilmachung von Interpol und der internationalen
Staatengemeinschaft vor knapp zwei Jahren haben wir nichts mehr an unseren
Grenzen (aus dem Irak) beschlagnahmt», sagte Zollbeamte weiter. 

Der Handel mit geraubten Kulturgütern dürfte, wie Fachleute schätzen, mit
einem vermuteten Umsatz von 2 bis 4,5 Milliarden Euro der drittgrösste
kriminelle Branche nach dem Waffen- und Drogenschmuggel sein.



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