[MSN] Kunst mit Fingerabdruck. Forscher am Netherlands Institute for Cultural Heritage[1] haben eine Methode entwickelt, mit der sich Kunstwerke anhand spezieller Merkmale identifizieren lassen.
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Wed Mar 14 05:34:50 CET 2007
Kunst mit Fingerabdruck
Von Michael Erard
Forscher am Netherlands Institute for Cultural Heritage[1] haben eine
Methode entwickelt, mit der sich Kunstwerke anhand spezieller Merkmale
identifizieren lassen. Die Entwicklung der Technologie namens "FingArtPrint"
wurde von mehreren europäischen Universitäten, Museen, Technologiefirmen und
der EU unterstützt und soll vor allem dem Diebstahlschutz dienen.
Geben Museen oder Sammler heute Kunstwerk in den Verleih, gehen sie dabei
ein nicht unbeträchtliches Risiko ein. Der vom FingArtPrint-Projekt
entwickelte digitale Fingerabdruck könnte den enorm lukrativen Markt für
geraubte Kunstgegenstände trockenlegen dort werden laut Schätzungen des
FBI Jahr für Jahr immerhin Werke für sechs Milliarden Dollar gehandelt.
"Hehler, denen bewusst ist, dass sich ihre Ware besser zurückverfolgen
lässt, dürften es wesentlich schwerer haben, Diebesgut abzusetzen", glaubt
Sharon Little, Koordinatorin der Anti-Diebstahl-Arbeitsgruppe bei der
internationalen Museumsorganisation ICOM-CC[2].
Aber nicht nur Museen könnten sich für FingArtPrint interessieren: Die
Technik ließe sich auch direkt an Ausgrabungsstätten verwenden, auf denen
die Bergung von Kunstgegenständen derzeit zu teuer oder zu aufwendig ist.
Taucht dann ein von Dritten illegal geborgenes Objekt auf dem Markt auf,
wird Kuratoren und Sammlern sofort klar, dass sie es hier mit Hehlerware zu
tun haben.
FingArtPrint setzt technisch auf einen Zweifach-Scan der Oberfläche von
Gemälden, Skulpturen, Münzen, Teppichen und Keramik. Zu Beginn wählt der
Erfasser dazu einen passenden Bereich des Objektes aus, der nur einen
Quadratzentimeter groß sein muss. Dann wird dieser mit einer
High-Resolution-Spezialkamera abfotografiert. Diese arbeitet mit
Auflösungen, die beispielsweise in der Industrieproduktion üblich sind, um
Flachbildschirme auf Schäden zu untersuchen.
Im zweiten Schritt wird dann die Oberflächenkörnung gemessen mit Hilfe
eines leistungsstarken Mikroskops, dem so genannten konfokalen
Tastschnittgerät. Auch dieses stammt ursprünglich aus dem Industriebereich,
wo es zur Erkennung von Oberflächenunreinheiten verwendet wird. Das
Mikroskop prüft Mikrometer für Mikrometer. Bei einer derart hohen Auflösung
wird aus einem 2D-Bild schnell eine dreidimensionale Landschaft. "Bei diesem
Maßstab erhalten wir Informationen, die absolut einzigartig sind ein
echter Fingerabdruck", erklärt William Wei, Leiter des
FingArtPrint-Projektes.
Farb- und Oberflächenkörnungsdaten ergeben zusammen einen Datensatz, der
dann in einer Datenbank gespeichert werden kann. Zollbeamte, Kuratoren und
potenzielle Käufer können die Authentizität eines Gegenstandes dann
überprüfen indem sie mit dem gleichen Gerät ebenfalls einen Fingerabdruck
nehmen.
Um zu beweisen, dass die Technik mit möglichst unterschiedlichen
Kunstgegenständen funktioniert, prüften Wei und sein Team FingArtPrint an 30
verschiedenen Objekten aus verschiedenen Museen und Galerien darunter ein
ägyptisches Steinmedaillon, eine römische Glasflasche, alte Bücher,
Ölgemälde, eine Maske aus Holz und verschiedene Skulpturen aus Bronze. Die
meisten Objekte eigneten sich für die Fingerabdrucknahme gut. Pinselstriche,
abblätternde Farbe, eine Tintenschicht, ein Muster aus Ruß oder andere
Eigenheiten wurden vom Tastschnittgerät erfasst. Selbst zwei Skulpturen, die
aus der gleichen Gussform stammten, ergaben unterschiedliche
Oberflächenkörnungsprofile.
Eine Einschränkung der Technik ergab sich allerdings: Auch natürliche
Veränderungen eines Objektes können dazu führen, dass der Fingerabdruck
nicht mehr stimmt. "Was passiert, wenn ein Bild altert und sich seine
Mikrostruktur verändert? Sieht das dann wie eine Fälschung aus?", fragt Hany
Farid, Computerwissenschaftler an der Dartmouth University, der auf
Bilderkennungssysteme spezialisiert ist. Besonders problematisch seien
Textilien und andere sich schnell abbauenden Materialien.
Und dennoch: Die Methode ist deutlich besser als das, was derzeit zum
Einsatz kommt. Aktuell nutzen Museen nämlich vor allem ganz normale
Fotografien, um Kunst zu erfassen dabei werden möglichst viele Bilder
gemacht. Zusätzlich werden die Objekte mit Markierungen versehen.
Fotografien lassen sich allerdings fälschen, Gravuren verändern die
Oberfläche und Klebstoffe oder Tinten von Aufklebern könnten die
empfindliche Chemie alter Objekte verändern. "Jedesmal, wenn man ein Objekt
derart bearbeitet, will man doch, dass man die Markierung wieder rückgängig
machen kann", sagt Little von der ICOM-CC. Es sei aber kompliziert, eine
Markierung sowohl rückgängig als auch haltbar zu machen.
FingArtPrint-Projektleiter Wei will nun weiter testen, wie stabil seine
Technologie wirklich ist. Bis dahin glaubt er, dass selbst Fragmente
digitaler Fingerabdrücke wertvoll sein könnten, um die Detektivarbeit bei
Diebstahlsfällen zu erleichtern. Andere Veränderungen, etwa das Nachdunkeln,
lassen sich hingegen einberechnen. Einen ersten Prototyp der Technologie
will der Projektleiter noch in diesem Jahr bereitstellen.
(wst[3]/Technology Review)
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