[MSN] Germany. Eppendorf Max-Schede-Skulptur vom Klinikgelände verschwunden - Anatom arbeitet an Sicherungssystem

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Sun May 6 09:19:58 CEST 2007


Eppendorf Max-Schede-Skulptur vom Klinikgelände verschwunden - Anatom 
arbeitet an Sicherungssystem

UKE: Professor Holstein kämpft gegen Büsten-Klau
Skulpturen-Park des neuen Universitätsklinikums soll berühmte Mediziner 
des Hauses zeigen. Von dem verschwundenen Werk fehlt bisher jede Spur.

Von Günter Stiller

Prof. Adolf-Friedrich Holstein, der emeritierte Anatom und Vorsitzende 
des Freundes- und Förderkreises des Universitätskrankenhauses Eppendorf, 
ist verzweifelt: "Die Büste stand von 1914 bis zum Januar 2007 im Park 
des UKE. Kaum jemand hat sie wahrgenommen. Sie lebte nicht. Jetzt aber 
ist sie verschwunden und alle reden über sie. Plötzlich lebt sie!"

Holstein spricht über den "Kriminalfall Max Schede" und die Büste des 
bedeutenden Chirurgen und Wissenschaftlers, der von 1889 bis 1895 Chef 
der Eppendorfer Chirurgie war. Die lebensgroße Bronzeskulptur, 1903 von 
dem Bildhauer Albert Hermann Küppers geschaffen, hatten unbekannte Täter 
in einer Januarnacht dieses Jahres aus der verschlossenen 
Klinikgärtnerei, wohin sie vorübergehend ausgelagert worden war, 
gestohlen. Weder die für die Wiederbeschaffung des für das UKE 
"unersetzlichen Werkes" ausgesetzte Belohnung noch die Fahndung der 
Hamburger Polizei führten auf die Spur der Büste, die nach Beendigung 
der Bauarbeiten für das neue Universitätsklinikum zum Höhepunkt des 
geplanten Skulpturen-Parkes hinter dem legendären Erika-Haus werden sollte.

Die aktuelle Mitteilung der Polizei, dass das Verfahren erfolglos 
eingestellt werden musste, ent-hüllte aber auch das gespenstische Bild 
eines neuartigen speziellen Delikts ("Büsten werden überall 
gestohlen!"), während die Recherchen des vom Anatom zum Detektiv 
gewordenen Professors zusätzlich die Ahnung von einem düsteren 
"Schede-Fluch" aufkommen ließen:

Nicht nur die Hamburger Schede-Skulptur ist abgängig. Eine andere 
Bronze-Büste des "Chirurgen aus Leidenschaft", die auf seinem Ehrengrab 
auf dem Kessenicher Friedhof bei Bonn von Ruhm und Vergehen kündete, 
fehlt ebenso wie ihre Gipsform, die im Besitz einer Schede-Enkelin 
gewesen war.

Eine weitere Bronze-Büste Max Schedes war im Zweiten Weltkrieg 
beschlagnahmt und als "Rüstungsmaterial" eingeschmolzen worden. 
Schließlich konnte auch die noch 1981 von einer UKE-Mitarbeiterin 
fotografierte vierte Schede-Plastik trotz eines Finderlohns von 2000 
Euro bis heute nicht geortet werden.

Bronzebüsten-Diebstahl ist "in": Schon der Materialwert macht sie so 
begehrlich. Viele enden beim Schrotthändler, andere auf Flohmärkten, 
nicht wenige gelangen in die Wohnhallen oder Vorgärten von Menschen, die 
glauben, ihrer Umwelt respektable, wenn auch falsche Ahnen präsentieren 
zu müssen. Manchmal ist auch Kunstraub im Spiel: Denken wir nur an den 
großen Coup, den Unbekannte in der "Langen Nacht der Museen 2002" in der 
alten Hamburger Kunsthalle landeten, als sie zwischen 16 000 Besuchern 
und 79 Wächtern die "Figur" des berühmten Bildhauers Alberto Giacometti, 
eine 32 Zentimeter hohe Bronzeskulptur im Wert von einer halben Million 
Euro, aus einer Plexiglasvitrine fischten. Der Diebstahl wurde erst nach 
drei Tagen entdeckt, das künstlerische Juwel ist nicht mehr aufgetaucht.

Die zwei Tonnen schwere Bronze-Skulptur "Reclining Figure" des 
britischen Bildhauers Henry Moore im Wert von 4,4 Millionen Euro, die im 
Dezember 2005 aus dem Park der Henry-Moore-Stiftung mittels eines 
Ladekrans und eines Lastwagens entwendet worden war, endete dagegen eher 
in einer Schrottschmelze. "Wo sollte ein Käufer sie denn unterbringen?", 
fragte sich die Polizei. "Immerhin beträgt der Materialwert mindestens 
7500 Euro."
Skulpturen-Park des neuen Universitätsklinikums soll berühmte Mediziner 
des Hauses zeigen. Von dem verschwundenen Werk fehlt bisher jede Spur.

Angesichts dieser deprimierenden Situation hat sich UKE-Professor 
Holstein entschlossen, die bisher gesammelten Büsten bedeutender 
Eppendorfer Ärzte in einem denkmalgeschützten Gebäude sicherzustellen. 
"Büsten-Holi", wie ihn dankbare Kollegen in absentia gelegentlich 
titulieren, arbeitet bereits an einem Sicherheitssystem für den 
Skulpturen-Park des künftigen medizinischen Super-Zentrums in Eppendorf.
erschienen am 4. Mai 2007

http://www.abendblatt.de




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