Dresden, Germany. Ein verschollenes Gemälde aus Dresden wurde jetzt in einem Münchner Auktionshaus sichergestellt. Nur ein Fall von vielen.
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Fri Nov 30 07:34:42 CET 2007
Neue Folge im Kunst-Krimi
Von Valeria Heintges
Ein verschollenes Gemälde aus Dresden wurde jetzt in einem Münchner Auktionshaus sichergestellt. Nur ein Fall von vielen.
Rundgemälde mit der Darstellung eines Bauern mit zwei Pferden vor einem Dorf. Im Hintergrund Pferdefuhrwerke, Bäume und tiefe Landschaft. So wird ein 18 Zentimeter großes, rundes Gemälde von Jan Brueghel dem Jüngeren im Online-Katalog des Münchner Auktionshauses Hampel beschrieben. In einer Auktion am 7. und 8. Dezember sollte es versteigert werden. Schätzwert: 60000 bis 80000 Euro. Doch wahrscheinlich darf kein Bieter in der Münchner Maxvorstadt seine Hand für den Brueghel heben: Denn das bayerische Landeskriminalamt hat das Gemälde sichergestellt, um seine Herkunft zu prüfen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Werk den Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden gestohlen wurde.
Nach dem Krieg verschollen
Der Katalogeintrag geht noch weiter. Unter der Überschrift Provenienz, also Herkunft, steht da: Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Gemäldegalerie. Und dann: im zweiten Weltkrieg verschollen, Ende der 70er Jahre aus belgischem Privatbesitz aufgetaucht. Patrick Hampel, Juniorchef des Auktionshauses, behauptet, es sei auch in England und München im Kunsthandel gewesen. Und er verweist darauf, dass die 120 Objekte, die bei Hampel versteigert werden sollen, von einer Qualität seien, wie sie in München noch nie auf dem Markt waren. Natürlich habe er die Herkunft aller Werke geprüft und recherchiert. Aber wenn das Bild ganzseitig in Farbe im Brueghel-Werkverzeichnis ist warum haben die Kunstsammlungen dann nie versucht, über den Verlag den Eigentümer zu ermitteln? Wer das Sammler-Ehepaar ist, sagt Hampel nicht, verrät aber, dass die Herrschaften sehr alt seien und noch zu Lebzeiten ihr Werk loswerden wollten.
In Dresden stößt das Vorgehen des Auktionshauses auf Verwunderung: Dass unter der Provenienz gleich steht, dass die Herkunft des Bildes ungeklärt ist und sogar auf unseren Verlustbildkatalog verwiesen wird, das habe ich noch nie erlebt, sagt Verwaltungsdirektor Dirk Burghardt. Er ist froh, dass das LKA das Bild gestern sichergestellt hat und prüft, wer rechtmäßiger Eigentümer ist. Tatsächlich könnten sich Auktionshaus und Sammler der Hehlerei schuldig gemacht haben. Die Kunstsammlungen Dresden hätten in jedem Fall des Auftauchens von kriegsbedingt verlagerter Kunst (Beutekunst) ihre Ansprüche gegen den Besitzer geltend gemacht und werden dies auch zukünftig so handhaben heißt es in einer Erklärung, die gestern Abend verbreitet wurde.
Verkauf an einen Spitzel
Der Vorgang ist in der Kunstwelt nicht unüblich. Allein in der Internet-Datenbank www.lostart.de haben die Kunstsammlungen 494Gemälde und 3000 Schriften eingetragen, die sie vermissen. Bereits nächste Woche soll in Belgien ein weitaus spektakulärerer Gerichtsfall um ein Bild aus Dresden entschieden werden. Diesmal geht es um ein Gemälde von Jan Brueghel dem Älteren. Das wollte ein Antwerpener Musiker 2001 in einer Tiefgarage verkaufen. Was er nicht wusste: Sein potenzieller Käufer war Polizeispitzel. Das Bild wurde sofort beschlagnahmt. Der Besitzerwechsel dieses Werkes ist abenteuerlich: Das auf der Festung Königstein ausgelagerte Werk wurde geklaut und taucht nach dem Krieg im russischen Lemberg wieder auf. Dort verkaufte es der Rektor der Universität an den Vater des Musikers und der emigrierte mitsamt Brueghel in die USA, wo er das Bild schließlich seinem Sohn vererbte.
Die Odyssee des Münchner Bildes wollen jetzt das LKA und die Kunstsammlungen erklären. Dann müssen die Gerichte ran. Bis das nächste verschollen geglaubte Gemälde wieder auftaucht.
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