[MSN] {Spam?} Die Sicherung der Kunstwerke ist immer mehr eine Geldfrage
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Wed Feb 13 05:42:43 CET 2008
Die Sicherung der Kunstwerke ist immer mehr eine Geldfrage
Museen wünschen sich eine Staatshaftung am Sicherheitsdispositiv
wird vorerst kaum etwas geändert
Schweizer Museen sehen nach dem dreisten Kunstraub von Zürich keinen
sofortigen Handlungsbedarf. Mittelfristig könnte es jedoch zu Veränderungen
kommen bei der Art und Weise, wie Kunst ausgestellt wird. Aufgrund der hohen
Versicherungswerte vieler Werke wird auch das Thema Staatshaftung wieder
aktuell.
ami. «Unser Sicherheitsdispositiv ist auf dem neusten Stand. Mehr
möchten wir dazu nicht sagen»: Diese Aussage einer Vertreterin der Sammlung
Oskar Reinhart «Am Römerholz» war am gestrigen Dienstag exemplarisch. Viele,
insbesondere kleinere Museen, scheuen sich davor, Näheres über die
Sicherung, die Versicherung oder den Wert ihrer Werke preiszugeben.
Gesprächiger zeigten sich hingegen grössere Institutionen wie etwa das
Kunsthaus Zürich. Der letzte Diebstahl geschah hier vor rund 40 Jahren.
Damals wurde das Werk «Femme à tête de roses» von Salvador Dalí entwendet
vier Jahre später kam es wieder zum Vorschein. Wie Pressesprecher Björn
Quellenberg auf Anfrage erklärte, sichert das Kunsthaus sowohl seine Bilder
wie auch das Gebäude elektronisch. Es verfüge über eine Videoüberwachung,
und das Personal habe an verschiedensten Orten die Möglichkeit, Alarm
auszulösen. Nach dem Raub im Zürcher Seefeld habe man die Angestellten auf
das erhöhte Risiko hingewiesen und ihnen die Verhaltensregeln für den
Notfall nochmals erläutert. Andere Massnahmen seien für das Kunsthaus nicht
nötig, so Quellenberg. Folgen könnte der Raubüberfall auf die
Bührle-Sammlung jedoch für den geplanten Erweiterungsbau des Kunsthauses
haben. Wie das Regionaljournal Zürich-Schaffhausen von Schweizer Radio DRS
meldete, werden die Verantwortlichen des Zürcher Kunsthauses und des
Stadtzürcher Hochbaudepartements die Wettbewerbsunterlagen für den Neubau
überprüfen und allenfalls die Anforderungen an die baulichen
Sicherheitsmassnahmen genauer definieren und erhöhen.
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Wer soll künftig Kunstwerke versichern?
Katharina Epprecht, stellvertretende Direktorin des Museums Rietberg,
hält ihre Institution zwar für weniger gefährdet als Museen mit westlichen
Kunstwerken. Dennoch weist sie darauf hin, dass der Zürcher Raub
Konsequenzen haben könnte für die Art und Weise, wie Kunst künftig
ausgestellt wird. Vielleicht werde es vielerorts nicht mehr möglich sein,
die Besucher nahe an die Kunstwerke heranzulassen, sagt sie.
Beatrix Ruf, Direktorin der Kunsthalle Zürich, macht auf ein anderes
Problem aufmerksam. Für viele Kunstwerke seien die Versicherungspolicen
derart hoch angesetzt, dass sie fast nicht mehr zu bezahlen seien. Im
Gegensatz zu Ländern wie Frankreich, Grossbritannien, Deutschland oder den
Niederlanden, wo der Staat die Museen mit einer sogenannten Staatshaftung
unterstützt, müssen die Schweizer Museen ihre Ausstellungen selbst
versichern. «Würde der Staat die Versicherung übernehmen, könnten Museen
auch mehr Personal einstellen», sagt Ruf. Heute seien viele Institutionen
dazu nicht in der Lage.
Der Verband der Museen der Schweiz (VMS) forderte vor einigen Jahren
auch hierzulande die Einführung einer solchen staatlichen Versicherung. Doch
der Bund vertrat damals die Ansicht, es brauche keinen staatlichen Eingriff.
Diese Meinung vertritt er auch heute noch. «Es liegt nicht in unserem
Interesse, solche Versicherungssummen zu bezahlen», sagt Yves Fischer von
der Anlaufstelle für Raubkunst beim Bundesamt für Kultur. Der Verband will
das Thema Staatshaftung nach dem Raub in der Bührle-Sammlung dennoch wieder
aufs Tapet bringen, wie VMS-Präsidentin Dorothee Messmer auf Anfrage
ausführte.
Museen im Dilemma
Messmer hält die Sicherheitsmassnahmen in Schweizer Museen im
internationalen Vergleich grundsätzlich für sehr gut. Sofortmassnahmen
drängten sich deshalb keine auf. «Die jetzige Aufregung wird sich sicher
bald legen», ist sie überzeugt. Es sei aber durchaus möglich dass die Museen
ihre Kunstwerke künftig hinter Glas oder anderen Vorrichtungen ausstellten
oder ihre Besucherkontrollen verbesserten. Die Museen stünden aber vor einem
alten Dilemma. «Wir sind keine Banken. Wir können unsere Kunstwerke nicht in
Depots lagern. Unsere Kernaufgabe ist es, sie der Öffentlichkeit zugänglich
zu machen.»
Diesen Artikel finden Sie auf NZZ Online unter:
http://www.nzz.ch/magazin/dossiers/die_sicherung_der_kunstwerke_ist_immer_me
hr_eine_geldfrage_1.670250.html
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