[MSN] Turners heist from Schirn Galery Frankfurt Germany: Prozessauftakt im Frankfurter Kunstraub von 1994
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Thu May 15 10:37:46 CEST 2008
Kunstraub
Prozessauftakt im Frankfurter Kunstraub von 1994
Vor der Landgericht Frankfurt müssen sich seit heute zwei mutmaßliche Hehler
verantworten. Sie sollen die 1994 aus dem Frankfurter Museum Schirn
gestohlenen Leihwerke von William Turner und Caspar David Friedrich den
ursprünglichen Museen zum Kauf angeboten haben.
Knapp 14 Jahre nach dem spektakulären Kunstraub im Frankfurter Museum Schirn
stehen seit Mittwoch zwei mutmaßliche Hehler vor Gericht. Die
Staatsanwaltschaft warf dem 60-jährigen Josef S. und dem 64-jährigen Hartmut
K. zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Frankfurt am Main
Erpressung vor. Sie sollen zwei der drei gestohlenen Bilder der Londoner
Tate Gallery zum Rückkauf angeboten und damit fünf Millionen Euro erpresst
haben.
Gestohlen wurden in der Nacht des 28. Juli 1994 zwei Werke von William
Turner mit den Titeln Shade and Darkness (Schatten und Dunkelheit) sowie
Light and Colour (Licht und Farbe), die als Leihgaben der Tate Gallery in
die Frankfurter Ausstellung Goethe und die Kunst gekommen waren, und
Nebelschwaden von Caspar David Friedrich dieses Bild steuerte die
Hamburger Kunsthalle bei. Die drei Bilder hatten einen Versicherungswert von
insgesamt 35 Millionen Euro.
Vier Täter hatten die Alarmanlage ausgeschaltet und waren dann über den
Lastenaufzug in die Kunsthalle gelangt. Dort überwältigten sie einen
Wachmann, fesselten ihn und nahmen ihm die Schlüssel ab. Die drei Bilder
transportierten sie in einem Kleinlastwagen ab.
Einer der Täter verabredete laut Anklage mit dem Autohändler Josef S., dass
er das Diebesgut aufbewahren sollte. Dafür habe dieser eine Garage in
Frankfurt-Bornheim angemietet. Erste Verkaufsversuche scheiterten 1995.
Anwalt verklagte Kunsthalle
Im Februar 1999 verurteilte das Landgericht Frankfurt zwei Räuber und einen
Hehler. Ein 31 Jahre alter Kurierfahrer erhielt eine Gefängnisstrafe von elf
Jahren und ein 29-jähriger Obstverkäufer acht Jahre Haft. Ein 33-jähriger
Dreher wurde zu zweieinhalb Jahren wegen Begünstigung verurteilt. Er hatte
einem verdeckten Ermittler der Polizei die beiden Turner-Bilder für zehn
Millionen US-Dollar zum Kauf angeboten. Die Täter hatten ihre Hintermänner
nicht verraten, und die Bilder blieben zunächst verschwunden.
Erst in den Jahren 2000 und 2002 tauchten die Meisterwerke von Turner wieder
auf. Der Frankfurter Rechtsanwalt Edgar Liebrucks fungierte dabei als
Mittelsmann. Die Tate Gallery soll für die Bilder fünf Millionen Euro
gezahlt haben; der Anwalt bekam 320.000 Euro Provision. Im Juli 2000 kam
Shade and Darkness nach London zurück, im Dezember 2002 Light and
Colour.
Im Januar 2003 wurde der Hamburger Kunsthalle das Bild Nebelschwaden für
1,5 Millionen Euro Lösegeld und 250.000 Euro Vermittlungsgebühr angeboten.
Rechtsanwalt Liebrucks zahlte den Verkäufern nach eigenen Angaben 250.000
Euro für das Bild und gab es im August 2003 an die Hamburger Kunsthalle
zurück, die ihn mit der Wiederbeschaffung beauftragt hatte. Liebrucks
verklagte die Kunsthalle später erfolgreich auf Zahlung der vereinbarten
250.000 Euro.
Laut Anklage hatten sich die mutmaßlichen Hehler nach ihrem Geschäft nach
Brasilien abgesetzt. Dort wurden sie im Februar 2007 festgenommen. Josef S.
wurde am 11. Oktober 2007 an Deutschland ausgeliefert, Hartmut K. am 23.
Januar dieses Jahres.
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